Erste Schritte auf neuen Wegen

Frieder Löhrer zu Entwicklungen bei Paschen

Fast ist er ein Stammgast des Branchenforums an der Möfa. Weil er stets besonders anregend und aufschlussreich über Themen zu sprechen weiß, die ganz eng mit dem eigenen Leben zusammenhängen. Und dieses Leben ist bunt und vielgestaltig. Die Rede ist von Frieder C. Löhrer. Ihn haben Studierende früherer Semester bereits als Referenten erlebt, als er in der allerersten Reihe von Unternehmen wie „Rolf Benz“, „Loewe“ und „idagio" stand. Und auch jetzt, im Wintersemester 2015/2016, rechneten die Studierenden von vornherein mit einem Vortrag von besonderer Praxisnähe. Denn die Basisfakten waren vielen bekannt: Dass Paschen, einer der traditionsreichsten Möbelhersteller in Deutschland, zu Beginn des letzten Jahres Insolvenz anmelden musste und dass das Unternehmen dann einen Neustart hinlegte, mitgestaltet von Frieder Löhrer.

Insolvenz. Das ist ein Vorgang, bei dem sich Unternehmer vor Jahrzehnten oft die Kugel gaben. Auch heute wird Insolvenz gerade in Deutschland als schwere Last wahrgenommen, als ein Versagen. Deshalb sehen sich Unternehmer als Steuerleute getrieben, den Kahn so lange wie möglich über Wasser zu halten. Umsatz fast um jeden Preis wird angestrebt, Kosten werden gesenkt, Tafelsilber verkauft. Und doch hilft alles nichts, wenn falsche Produkte von Kunden nicht mehr wahrgenommen werden, wenn man viel Nebel streut und die Strategie nicht mehr stimmt.
Wie sehen Wege aus der Krise aus? Was bedeutet das, wenn man auf das Beispiel „Paschen" schaut? Frieder Löhrers Botschaft an seine Zuhörer lautete: „Fokus, Fokus, Fokus! Ich muss wissen, in welchem Geschäft ich bin. Alles hängt an der richtigen strategischen Positionierung.“ Paschen etwa hat eine tolle Tradition, die bis in das Jahr 1883 zurückreicht. Ein Unternehmen, das eine solch lange Geschichte hat, zeigt, dass es prinzipiell mit Krisen umgehen kann. Es verfügt über besondere technologische Fähigkeiten und nicht zuletzt über leistungsfähige Mitarbeiter. In der Vergangenheit entwickelte es geniale Ideen. Zum Beispiel Regale nicht einfach als Regale, sondern als Bibliothek anzubieten. Ein Ort des Wertigen also. Auch heute zeigen sich berühmte Modeschöpfer gerne vor einer riesigen Bücherwand, weil sie suggerieren wollen: „Das alles habe ich gelesen. Das ist meine Welt, dafür stehe ich."
Doch Geschichte ist Geschichte, ist Vergangenheit. Das Bibliothekskonzept wurde problematisch, als man weitere, jeweils eigenständige Varianten mit besonders schön klingenden Namen entwickelte. Ohne Plattformstrategie – ein Grundmodell, viele Varianten –gingen jedoch die Fixkosten nach oben. Im Handel entstand Verwirrung und Unsicherheit: Welches Programm erlaubte welche Kombinationen? Wenn Verkaufsunterlagen immer dicker werden und Missverständnisse wachsen, lassen Interessenten schnell die Finger vom Angebot.
Ein erster Schritt zu Heilung ist es, die Bedürfnisse moderner Konsumenten wirklich zu verstehen. Was machen wir heute eigentlich im Wohnzimmer? Noch vielleicht vor gut zehn Jahren war ein Mensch mit einem I-Pad auf dem Sofa für viele Leute einfach eine Unverschämtheit. Im Wohnzimmer stand doch schließlich schon der Fernseher. Heute leben wir im Zeitalter der geteilten Aufmerksamkeit: Ein bisschen surfen, Mails checken, dann mal ein Blick auf den Spielfilm – „Multitasking" ist inzwischen selbstverständlich. Arbeit und Unterhaltung finden ihren Platz im Wohnzimmer, die Themen „Medien" und „Hightech" haben erheblich an Bedeutung gewonnen. Versteckt werden sollen dabei Kabelsalat und sehr Persönliches; präsentiert werden soll dagegen, womit man identifiziert werden möchte.
Neue Produkte sollen außerdem junge, mobile Zielgruppen ansprechen. Zum Beispiel ein werkzeugsloses Regalsystem, das ohne Schraube, Klebstoff oder Nagel auskommt. Mit Hilfe eines Click-Systems ist es flexibel auf- und abzubauen, kann sich wechselnden Wohnsituationen anpassen, indem es „mitwächst", also je nach Bedarf höher und breiter wird. Und die Vermarktung? „Wir sind zu stark im 'Oder-Modus´", unterstrich Frieder Löhrer, „es gibt ein 'Und'!" Genau deshalb soll der Dialog mit dem Kunden auch über das Internet ausgebaut werden.
Ein drittes Thema ist schließlich bestimmt durch eine neue Bewertung des Raums. Teuer an einer Immobilie ist nicht zuletzt das Grundstück. Man versucht es optimal zu nutzen. Steht auf ihm ein Haus mit überflüssigen Mauern, liegen viele Quadratmeter brach. Freie Räume und größere Wohnflächen bieten sich dagegen für eine individuelle Raumgestaltung an. Hier setzt die Kompetenz des Unternehmens Paschen für einen vorkonfektionierten Innenausbau an. Sie soll zunächst in Studenten- und Seniorenwohnheimen deutlich zur Geltung kommen.
Insolvenz und Neuanfang – ein spannendes Thema. Für ein anschauliches Beispiel hierfür danken wir ganz herzlich Frieder Lehrer.

Text: Tina Schladoth, PR-Gruppe
Foto: Joana Schmitter