Erfolgsfaktor Mensch - Eindrücke von der MHK-Jahreshauptversammlung

Digitalisierung. Sie ist in aller Munde, wird immer wieder als gegenwärtige Aufgabe und zugleich als zukünftige Herausforderung beschrieben. Dabei ist uns vieles inzwischen schon ganz selbstverständlich. Wer hätte analoge Daten nicht längst in digitale umgewandelt, wer hätte sein Handy nicht in der Hosentasche, wer shoppte nicht auch online? Digitalisierung kennen wir alle. Gleichzeitig wissen wir natürlich, dass auf diesem Weg noch eine erhebliche Strecke vor uns liegt. Und dennoch: Digitalisierung ist nicht alles. Wie wir mit ihr umgehen – das macht den Unterschied.

Wichtige Impulse zu dieser Frage bot Ende April die Jahreshauptversammlung der MHK-Group AG. Nahezu 100 Studierende der Möfa waren als Gäste eingeladen. Sie verfolgten gespannt, was Vorstandsvorsitzender Hans Strothoff und was profilierte Gastredner zum Thema zu sagen hatten. „Geschäfte werden zwischen Menschen gemacht“, unterstrich Hans Strothoff in seinem Vortrag zum Thema „Erfolgsfaktor Mensch im Zeitalter der Digitalisierung“. Maschinen übernehmen Standardaufgaben. Es fehlt ihnen aber zumindest vorerst an Kreativität, an Empathie, Emotionalität und Herzlichkeit.

„Sei kein Roboter“, forderte deshalb auch der Innovationsforscher Christoph Burkhart seine 2800 Zuhörer auf. Das Leben lässt sich nicht einfach standardisieren. Daten sollten nicht zur Grundlage neuer Glaubenssätze werden. Unverzichtbar bleiben vielmehr die persönliche Ansprache und das individuell zugeschnittene Angebot. Denn Menschen entscheiden letztlich nach Gefühl. Neue Technik darf deshalb nicht voraussetzen, dass sich ihr der Mensch anpasst. Ideen entwickeln sich Schritt für Schritt erfolgreich, wenn sie von vielen als überzeugende Antwort auf ihr Leben wahrgenommen werden.

Szenenwechsel: Tanzende Roboter auf der Bühne. Lichter zucken im Takt harter Rhythmen, digitale Muster erscheinen in rasch wechselnder Folge auf der Leinwand. Tänzer, einheitlich gekleidet und die Gesichter mit metallenen Masken verdeckt, bewegen sich wie Maschinen. Hinzu gesellt sich schließlich ein menschenähnlicher Automat, überlebensgroß, mit rot leuchtenden Sehschlitzen. Seine Bewegungen wirken starr, abgehackt. Das Ganze ist ein visuelles Erlebnis, ohne Frage. Und eine kreative Umsetzung der Botschaft, eben nicht zum Roboter zu werden.

„Für Herzlichkeit gibt´s keine App“, lautet in diesem Sinne auch das unlängst erschienene Buch von Carsten K. Rath. Der Fernsehsender n-tv nennt ihn den „Service-Experten Nr. 1 in Deutschland“. Carsten K. Rath schöpft aus Erfahrungen, die er selbst als Grandhotelier gemacht hat. Er kennt Situationen, in denen Service nur ein anderes Wort für „kellnern“ war und der Kunde nur ein Durchlaufposten. Über seine Einsichten sprach er jetzt als Gastredner bei der MHK-Jahreshauptversammlung. Seine Botschaft: Entscheidend ist, wie wir etwas tun. Service wird von Menschen für Menschen gemacht. Ohne Service ist alles nichts, gerade im digitalen Zeitalter. Denn je mehr Daten wir über den Kunden haben, desto mehr erwartet er Individualität in der Ansprache. Kennen wir seinen Namen, gelingt uns die persönliche Begegnung, sind wir anders als andere? Die Anzahl positiver Geschichten, die unterschiedliche Gesprächspartner nach einer Begegnung zu erzählen wissen, bestimmt letztlich den Markenwert des Anbieters.

Alles das sind anregende Einsichten. Wenn aber Möfisten zum Beispiel auf Seite 1 der MHK-Zeitung in höchstem Maße gut gelaunt zu sehen sind, hat das ganz wesentlich, aber nicht ausschließlich mit profunder Information zu tun. Inspiration bieten natürlich auch die Begegnungen im Rahmen der Messe „living and style“. Gerne sieht man sich die Verleihung des „Goldenen Dreiecks“ für die schönsten Küchen an. Des Weiteren ist man sofort zur Stelle, wenn ein Gruppenfoto mit Starkoch Johann Lafer möglich wird. Und nicht zu vergessen, die Frage aller Fragen: Welches Outfit passt am besten zum glanzvollen MHK-Galaabend? Ist hier vor der Reise wirklich das Richtige in den Koffer gewandert? Selbst beim Freizeitprogramm, bei Sonnenschein vor dem Brandenburger Tor, lässt manchen diese Frage nicht ganz los. Doch der Abend zerstreut die Zweifel. In Erinnerung bleibt: Es waren in jeder Hinsicht drei fantastische Tage, mit MHK in Berlin.

Text: Sofie Pfleiderer
Foto: Isabel Kimmel