Vom Zauber des Spitzenprodukts
Drei Begegnungen

Wenn achtzehn angehende Einrichtungsfachberater(innen) nicht in Klassen- oder Fachräumen, sondern gut gelaunt im Reisebus sitzen, kann man davon ausgehen, dass an der Möfa wieder einmal das „Lernen durch Anschauung vor Ort“ auf dem Stundenplan steht. Drei echte Highlights bot die Exkursion dieses Sommersemesters. Sie sorgten für deutliche Aha-Erlebnisse und bleibende Eindrücke.

Zum Beispiel in der „Traumfabrik“, der Bettenmanufaktur „Schramm Werkstätten“. Seit fast hundert Jahren besteht das Unternehmen. Wer wissen will, wie mit Boxspringbetten ein einzigartiger Schlafluxus entsteht, ist hier genau an der richtigen Adresse. Doch was steckt überhaupt hinter dem Begriff „Boxspring-Bett“? Das wollte Geschäftsführer Axel Schramm von den Studierenden noch vor der Führung durch die Produktion wissen. Es handelt sich um einen amerikanischen Ausdruck, das ist klar, er klingt irgendwie gut, regt vielleicht als Erstes Assoziationen an gehobene Hotelbetten an – und sagt doch nur wenig über das Produkt aus.

Was dagegen „Handmade in Germany“ bedeutet, wurde schon in dem Moment klar, als sich die Tür zur Produktionshalle öffnete. Denn gleich danach empfing uns das Rattern der Nähmaschinen. Stützende Stahlfedern, das Herz jedes Bettes, werden einzeln in Baumwollsäckchen eingenäht. Sie sind ofenthermisch vergütet, sagte uns Schulungsleiter Patrick Haselbach. Damit werden sie resistent gegen Ermüdung und Überbelastung und sind außerdem, was weltweit einzigartig ist, entmagnetisiert. Jedes Schramm-Bett ist insgesamt ein Maßanzug. An den besten Stücken arbeitet ein Meister zehn Arbeitstage. Den Namen „Grand Cru“, der eher an edle Weine erinnert, haben sie redlich verdient.

Nur selten kann man sich auf ganz unverdächtige Weise nach oben schlafen. Im Showroom von Schramm ist das möglich. Mit dem Probeliegen auf immer wertvolleren Produkten, von denen man am liebsten gar nicht mehr aufstehen möchte. Und doch lockte bereits der nächste Programmpunkt: ein Besuch des Möbelherstellers Walter Knoll. Bereits bei der Ankunft im schwäbischen Herrenberg waren wir beeindruckt von dem modernen Neubau aus Glas, Stahl und Beton. Nach einer herzlichen Begrüßung im Showroom machten wir uns auf eine erste Gedankenreise in die Markenwelt von Walter Knoll. Dann folgte der Griff zum Headset. Wir erfuhren, dass Walter Knoll ausschließlich Leder verwendet, die aus Europa stammen. In der Näherei bekamen wir einen Eindruck davon, dass Nähen eine Kunst ist. Nahtbilder sind klassische Designmerkmale, geben dem Produkt ein Gesicht. Bei Walter Knoll ist das eindrucksvoll erlebbar.

Einen Stock tiefer, in der Polsterei, richtete sich der Blick auf die Polsterung des legendären Klubsessels „Haussmann 310“. Walter Knoll legt diesen Klassiker der Möbelgeschichte wieder auf. Beeindruckt haben uns hier die handwerkliche Qualität und die Polsterkompetenz, die für die Chesterfield-Knopfheftung benötigt wird. Für einen Haussmann-Sessel benötigt ein erfahrener Polsterer einen ganzen Arbeitstag. Jeder Sessel wird nach seiner Fertigstellung mit einer Qualitätsnummer des jeweiligen Polsterers versehen.

In die Reihe klangvoller Namen reihte sich am dritten Tag das Familienunternehmen Thonet ein. Hier behielten etliche Studierende die Handykamera fast im Daueranschlag. Natürlich hatten wir im Unterricht bereits vieles über die Bugholztechnik erfahren. Eine andere Sache ist es jedoch, aus nächster Nähe mitzuerleben, wieviel Körpereinsatz und Geschick diese Technik erfordert. Besonders anregend: „Miterleben“ bedeutete für einige Studierende, selbst einmal probeweise Hand anzulegen. Die beste Art also, wie sich Einsicht durch praktisches Tun vertieft.
Was wird außerdem auf jeden Fall noch in Erinnerung bleiben? Ganz gewiss der Besuch des Thonet-Museums in Begleitung von Anita Finger. Historische Möbelstücke, Werkzeuge und Bilder spiegeln eindrucksvoll die lebendige Geschichte des Unternehmens wieder. Weltbekannte Ausstellungsstücke können hier aus nächster Nähe erlebt werden. Von ersten Bugholzmodellen bis zu Möbeln der Postmoderne ist alles präsent.

Drei erlebnisreiche Exkursionstage liegen hinter uns. Wir haben etwas mitbekommen, von den besonderen Fähigkeiten und von der besonderen Sorgfalt, die im Ergebnis zu Spitzenprodukten führt. Deshalb danken wir allen Unternehmen für ihre besondere Gastfreundschaft.

Text: Annika Bollinger
Foto: Adriana Frey, Annika Bollinger, Thi Nguyen-Brandt