Farbe bekennen, Farbe benennen
Markus Frentrop (Global Head RAL Colours) zu Besuch an der Möfa

Sie ist eindrucksvoll lang, die Liste möglicher Phobien, die Menschen zum Beispiel gegenüber verschiedenen Dingen, Tieren oder Erlebnissen entwickeln können. Manche Ängste sind uns zumindest dem Hörensagen nach recht gut bekannt. Andere sind es weniger. Die „Chromatophobie“ gehört wahrscheinlich hierzu.

Kann es das tatsächlich geben: eine Scheu vor Farben? Sie entsteht, belehrt uns das Internet, wenn traumatische Ereignisse und eine individuelle Veranlagung unglücklich zusammentreffen. Dann werden Gegenstände in einer bestimmten Farbe gleichsam zum „bösen Blick“, der Flüche überträgt und Unglück bringt. „Grün ist nicht okay“, sagt eine Betroffene und hat auch gleich eine Studie zur Hand, nach der angeblich alle abgebrannten Theater eine Inneinrichtung in dieser Farbe aufwiesen.

Ach du grüne Neune, werden da die meisten denken, was für ein eigenwilliger Blick auf die Welt! Doch, andererseits: Wie viel Farbenscheu steckt in uns allen? Unter den Top 20 der meist verwendeten RAL-Farben sind immerhin fast ausschließlich Grautöne gelistet. Das erfuhren staunende Einrichtungsfachberater aus berufenem Munde. Eingeladen war Markus Frentrop, der seit Anfang 2016 das weltweite Geschäft von RAL-Farben leitet. In einem durchaus farbigen Vortrag erläuterte er, wie es zur Vergrauung im Alltag kommt.

Zunächst wissen wir, dass unsere Farbwahrnehmung außerordentlich komplex ist. Hier geht es zum einen um unser individuell unterschiedliches Empfinden. Außerdem werden Farben in unterschiedlichen Kontexten jeweils neu bewertet. Für das, was wir sehen, spielen Faktoren wie die Lichtverhältnisse, der Untergrund, die Oberflächenbeschaffenheit und Umgebungsfaktoren selbstverständlich eine maßgebliche Rolle. All das macht den gezielten und wirksamen Einsatz von Farbe nicht leichter.

Doch es gibt einen Silberstreif am nur scheinbar grauen Horizont. Das RAL-Design System ordnet 1625 Farbtöne in gleichen Abständen, indem es mit den ersten drei Ziffern den Farbton, mit den nächsten zwei den Helligkeitswert und mit den letzten beiden Ziffern die Buntheit, also den Grad der Farbsättigung, bezeichnet. Komplementärfarben und harmonische Farbverläufe können auf diese Weise einfach und schnell ermittelt werden.

Dankbar vermerkten die Studierenden ebenso wie Gestaltungslehrer Ulrich Hennes, dass der Referent der Schule großzügig Arbeitsmittel, unter ihnen Farbfächer und Bücher, überließ. Markus Frentrop brachte außerdem Materialien für ein Farbtraining mit. Farbmusterplättchen wurden von den Studierenden hinsichtlich ihrer Farbsättigung oder Helligkeit auf einer Farbskala angeordnet. Es war eine faszinierende Erfahrung, in dieser Weise die eigene Farbwahrnehmung weiter zu trainieren und zu verbessern. Immerhin ist ein geschultes Auge letztlich unerlässlich, wenn für eine gelungene Farbgestaltung rosige Aussichten angestrebt werden sollen.

Die gute Nachricht lautet: Im Rahmen eines gelungenen, kurzweiligen Vormittags haben sich angehende Einrichtungsfachberater bei den Übungen gut geschlagen und wurden auch vom Referenten reichlich mit Lob bedacht. Insgesamt die richtige Voraussetzung, um gegen ein „vergrautes“ Umfeld Farbe zu bekennen – Farbe, die zukünftige Einrichtungsfachberater in das Leben und Wohnen ihrer Kunden mischen werden.

Text: Miriam Porschen
Foto: Stephanie Obermanns, PR-Gruppe