„Inspiration pur für die Einrichtungsfachberater der MÖFA“

Es ist Mai und für die Einrichtungsfachberater der Möbelfachschule Köln steht die dreitägige Exkursion vor der Tür. Eine schöne Abwechslung zur Schulbank, so kurz vor den Abschlussprüfungen, finden auch meine Klassenkameraden. Auf unserem Programm stehen Unternehmen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Neben einem Ladenbauer besuchen wir ein Textilunternehmen, einen Polstermöbelhersteller und einen Massivholzhersteller. Die Schule hat auch in diesem Jahr ein tolles Programm für uns Einrichtungsfachberater zusammengestellt.

Tag 1 - Schleifenbaum design & project GmbH, Haiger

Los geht’s in Haiger bei der Firma Schleifenbaum. Wir wurden herzlich von den Geschäftsführern Iris Waltemode und Heinz Wieja begrüsst. Bereits beim Eintritt in den Showroom glänzten unsere Verkäuferaugen. Auf den ersten Blick erkennt man die Kernkompetenz des Unternehmens – den Ladenbau.

Schleifenbaum wurde 1984 gegründet und konzentrierte sich zunächst auf den grossflächigen Möbelhandel. Später erfolgte die Expansion in die Branchen Baumärkte und Hotels. Seit ein paar Jahren zählen auch viele namhafte Unternehmen aus dem Textilhandel und der Textilindustrie zum Kundenkreis. Im Laufe der vergangenen Jahre wurde vor allem die Kompetenz im Bereich Planung und Design immer weiter ausgebaut. Durch das Zusammenwirken von individuellen Kundenwünschen und innovativen Konzepten der Schleifenbaum-Architekten konnten viele erfolgreiche Verkaufswelten geschaffen werden.

In diese spannende Welt wurden wir entführt und bekamen einen interessanten Einblick in beispielhafte Erlebniswelten. Wir erhielten Einblick in tolle Projekte im Bereich Ladenbau für den Textilhandel aber auch dem grossflächigen Möbelhandel. Wir waren beeindruckt von der hohen Fachkompetenz des Unternehmens und inspiriert durch die vielen tollen Möglichkeiten, die es in diesem Bereich gibt. Im Möbelhandel, waren wir uns rasch einig, gibt es in Sachen Erlebniswelten noch Potenzial.

Als Abschluss hat die Firma Schleifenbaum den Verkaufsprofi Thomas Witt für uns eingeladen. Im Zentrum standen wir, die zukünftigen Berater. Thomas Witt hat uns nahe gebracht, wie wichtig die Rolle des Beraters ist. Anhand von praktischen Beispielen hat er uns gezeigt, wie viel man als Verkäufer falsch machen kann und warum man es anders machen sollte. Wir sprechen hier nicht von hochkomplexen Verkaufsstrategien, sondern primär vom Verkäufer als Menschen. Von den kleinen Dingen, wie dem ersten Eindruck beim Eintreten eines Kunden in den Laden oder der ersten Ansprache. Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind, wenn man es hört. Geht man jedoch raus und macht sich selbst ein Bild, merkt man schnell, wie viele Verkäufer genau diese selbstverständlichen Dinge vernachlässigen. Die Wichtigkeit des Verkäufers mit seiner positiven inneren Einstellung nehmen wir aus diesem Vortrag für uns persönlich mit.

Es blieb nicht unerkannt, dass die beiden Geschäftsführer Iris Waltemode und Heinz Wieja mit Leib und Seele ihren Beruf ausüben. Die Klasse war davon sehr inspiriert und schwelgte auch auf der Weiterfahrt nach Bielefeld noch einen Moment lang in der Welt des Ladenbaus. Wir diskutierten ebenfalls über die Wichtigkeit von Erlebniswelten im stationären Möbelhandel. Man war sich rasch einig, dass mit der richtigen Mischung aus tollen Produkten, der richtigen Wareninszenierung, spannenden Emotionswelten und dem richtigen Verkäufer, der stationäre Handel auch in Zukunft seine Berechtigung haben wird.

Tag 2 – BW Bielefelder Werkstätten & JAB Anstoetz, Bielefeld

Der zweite Tag startet im Showroom der Bielefelder Werkstätten. Hier begrüssen uns Britta Taron (BW Bielefelder Werkstätten) und Nina Kathrin Seidensticker (JAB Anstoetz), die uns den ganzen Tag begleiten und fachkundig Auskunft geben.

Der Textilunternehmer Heinz Anstoetz gründete die BW Bielefelder Werkstätten 1956. Das Unternehmen ist in die global agierende JAB Anstoetz-Gruppe, in deren Zentrum der gleichnamige Stoffverlag steht, eingebunden.

Die Manufaktur der BW Bielefelder Werkstätten produziert ausschliesslich Möbel von hochqualifizierten Handwerkern, nach überliefertem Wissen und mit viel Liebe zum Detail. Das sahen wir an diesem Tag nicht nur in der hauseigenen Produktion, sondern bereits im Showroom. Auf den ersten Blick erkennt man die Hochwertigkeit und das Auge fürs Detail. Bereits beim Eintreten, haben sich die einen oder anderen unserer Gruppe, in ein zeitlos, klassisches Möbelstück von BW verguckt.

Die Firmenphilosophie verbindet stilsicheres Design mit dem Anspruch, langlebige Werte in ausgefeilter Handwerkskunst herzustellen – und das ausschliesslich am Qualitätsstandort Deutschland. Gestärkt mit Kaffee und Schokolade starteten wir die Tour durch die Produktion. Dabei standen uns die Meister aus verschiedenen Bereichen für Fragen zur Seite und haben uns gewisse Schritte detailliert erklärt. Die familiäre Atmosphäre und die Freude an der Sache, sind uns auf dieser Tour besonders aufgefallen. Das Handwerk steht hier im Vordergrund, das hat man gesehen und gespürt.

Nach einem leckeren Mittagessen in der eigenen Kantine haben wir uns in die Stoffwelt begeben. Auch hier durften wir einen Blick in die Stoffmanufaktur werfen. Besonders im Lager kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Keiner von uns hat jemals so viel Stoff auf einmal gesehen. Sechs Millionen Laufmeter Stoff befinden sich derzeit in Bielefeld am Lager. Dies entspricht vier Mal der Strecke Bielefeld – Rom. Mit Staunen ging es dann im Showroom von JAB Anstoetz weiter. Die Grösse und die Vielfalt der Stoffe und anderen Materialien sowie die tollen Farben und Muster haben es uns allen angetan. Im Showroom durften wir uns alles ganz genau ansehen und die einen oder anderen haben direkt nach einem konkreten Stoff oder einer Tapete fürs eigene Zuhause gesucht.

Tag 3 – Möbelwerke A. Decker GmbH, Borgentreich

Mit massivem Holz geht es am dritten und letzten Tag weiter. Begrüsst wurden wir von Jürgen Leding, dem Schulungsleiter des Hauses. Die Möbelwerke A. Decker GmbH wurde 1915, als Korbmacherbetrieb, gegründet und hat sich seit sechs Jahrzehnten auf die Fertigung von individuellen Wohn-, Ess- und Kücheneinrichtungen aus Massivholz spezialisiert. Die Massivholzmöbel von Decker, werden ausschliesslich am Standort Deutschland, Borgentreich und Natzungen gefertigt. Ökologie und Nachhaltigkeit hat im Unternehmen einen hohen Stellenwert. So engagiert sich Andreas Decker heute in verschiedenen Branchenverbänden, mit dem Schwerpunkt nachhaltiger Forstwirtschaft. Alle Decker Massivholzmöbel tragen das PEFC-Siegel und durchlaufen hohe Qualitätsprüfungen.

Ganz nach dem Motto von Jürgen Leding „hochwertige Möbel brauchen qualifizierte Berater“ durften wir direkt nach unserer Ankunft am Massivholzseminar teilnehmen. Die Wiederholung zum Möbelkundeunterricht war eine gute Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen Anfang Juli. Dass es weltweit 30.000 Holzarten gibt, sich davon 3.000 bis 5.000 zur Verarbeitung eignen und in Europa derzeit 30 regelmässig verarbeitet werden, überraschte uns dann doch.

Nach einer kurzen Pause ging es weiter in die Produktionshallen der Firma. Vom Rohholz bis zum fertigen Massivholzmöbel durchliefen wir alle Schritte in der Möbelproduktion. Jürgen Leding unterliess es nicht uns viel Fachwissen mit auf den Weg zu geben.

Nach dem leckeren Mittagessen haben wir uns den Showroom der Firma angesehen. Neben der Nachhaltigkeit, legt Decker ebenfalls Wert auf die Funktionalität der Möbel, die wir uns dann auch direkt an den Möbeln anschauen durften. Die Massivholzmöbel für den Wohn- und Esszimmerbereich sowie Küchenmöbel zeichnen sich durch eine klare Formsprache, hohe Materialqualität und intelligente Funktionen aus.

Nach dem Rundgang, machten wir uns mit unseren Zertifikaten als „Massivholz-Berater“ unterm Arm, auf die Rückfahrt nach Köln. Es dauerte nicht lange, da waren die meisten im Bus ihren Träumen verfallen und wer weiss, von welchem Hersteller sie am Ende geträumt haben.

Wir danken den Firmen für die Gastfreundschaft, die spannenden Vorträge und Einblicke sowie die Inspiration für unsere Zukunft. Wir freuen uns in Kontakt zu bleiben.

Text: Danielle Kradolfer
Foto: Tabea Girmann