Vom „Flüchtling“ zum „Mitarbeiter“
Was sich Mubarak Abdallah von der Zukunft erhofft

Er spricht fließend arabisch, passabel englisch und außerdem eine Sprache, die hierzulande niemand versteht: tigre, eine von neun „Nationalsprachen“ Eritreas, die formell alle als gleichberechtigt gelten. Dass er sich außerdem auch in seiner neuen deutschen Heimat mitteilen kann, verdankt Mubarak Abdallah sechs Sprachkursen, die er innerhalb von anderthalb Jahren erfolgreich besuchte. Und hier schon endet eigentlich das Außergewöhnliche und die Normalität beginnt: Denn heute ist Mubarak Abdallah Auszubildender des Einrichtungshauses Müllerland in Hennef und zugleich einer von vielen Berufsschülern an der Möfa – mit dem beruflichen Ziel als Einzelhandelskaufmann im Möbelhandel. Aller Voraussicht nach wird er genau das im Jahr 2020 sein.

Eritrea. Ein kleines Agrarland am Horn von Afrika. Mit reichen Bodenschätzen gesegnet, doch isoliert und zerstritten mit seinen Nachbarn. Auch in Deutschland kennt man inzwischen die Vorwürfe, die der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen gegen die Machthaber des Landes erhebt. Von systematischer Verfolgung, von Folter und von Vergewaltigungen, von Hinrichtungen und gezielten Morden ist hier die Rede. Hinzu kommt ein harter Wehr- und Arbeitsdienst von unbestimmter Dauer. Vor ihm floh auch Mubarak Abdallah, verließ seine Eltern, zwei Brüder und eine Schwester, und machte sich auf den gefährlichen Weg, den inzwischen viele gegangen sind: vom Sudan durch die libysche Wüste und – nach sechs Monaten – auf ein unsicheres Boot, dessen Insassen nach zwei Tagen von einem Rettungsschiff aufgegriffen wurden.

Im Sommer 2014 kam Mubarak Abdallah in ein Flüchtlingsheim nach Dortmund. Ein Jahr dauerte es, bis seine Asylberechtigung anerkannt wurde. Dann folgten Sprachkurse und eine sechsmonatige Ausbildung zum Auslieferungsfahrer. Doch das blieb nur eine Zwischenstation. „Der Handel hat mich immer besonders interessiert“, sagt Mubarak Abdallah heute, „ich wollte gerne mit Menschen umgehen.“ Und deshalb bewarb er sich für eine Ausbildung im Möbelhandel bei einem Azubi-Speed-Dating in Bonn. Dort treffen sich seit einigen Jahren in der Stadthalle Unternehmen und junge Menschen, um über berufliche Perspektiven zu sprechen. Eine wichtige Begegnungsform, denn geeignete Auszubildende sind heute knapp. Mubarak Abdallah erhielt sofort eine Zusage: Erst für ein eintägiges Probearbeiten, dann für vierzehn Tage, und schließlich, weil sein Engagement überzeugte, für eine dreijährige Ausbildung.

Inzwischen ist das erste Ausbildungsjahr erfolgreich verlaufen. Zwei weitere werden folgen.
Dann, so hofft Mubarak Abdallah, wird er sein Geld als Kaufmann im Einzelhandel verdienen. Ein glücklicher Neustart, etliche tausend Kilometer vom Ort der Geburt entfernt. Es wird deshalb wohl nur eine Frage der Zeit sein, wann dieser Neustart aus dem „Flüchtling“ von gestern ganz einfach nur den „Berater“ und den „Kollegen“ von heute macht.

Text und Foto: Mubarak Abdallah, PR-Gruppe