Gestein, ein Meisterwerk der Natur
Küchenfachberater vor Ort beim Unternehmen Schwanekamp

Es dauerte seine Zeit, bis wir uns durch den Kölner Stadtverkehr und den Schneesturm gekämpft hatten. Schließlich waren wir aber doch da, beim inhabergeführten Familienunternehmen Schwanekamp GmbH im münsterländischen Städtchen Gescher.

Mit über 50 Jahren Natursteinkompetenz wirbt Schwanekamp. 1958 als Steinmetzbetrieb gegründet, hat sich das Unternehmen seit 1983 auf Küchenarbeitsplatten spezialisiert. Bereits zwei Jahre später wurde Schwanekamp zum Partner von SieMatic. Weitere Partnerschaften mit namhaften Küchenherstellern folgten, sodass Schwanekamp heute mit fünf weiteren Partnerschaften glänzen kann.
Nach einem freundlichen Empfang durch Familie Schwanekamp wurden wir von der Tochter Stefanie Schwanekamp durch den Betrieb geführt. Diese hat selbst 1999 an der Möfa studiert und ist 2003 in das Familienunternehmen eingetreten. Die Führung begann zunächst bei der Eingangskontrolle. Dort werden die Lkw entladen, die Ware kontrolliert und mit einem Barcode versehen. Jede Platte ist ständig per Computer nachverfolgbar. Geschnitten werden die Blöcke in Platten fast ausschließlich in Italien. Grund hierfür ist die bessere Technik und die sich dadurch ergebende bessere Qualität. Auch die Oberflächenfertigung erfolgt dort, da diese mit einem erheblichen Platzbedarf verbunden ist. Außerdem werden von Schwanekamp fast ausschließlich ganze Blöcke gekauft. Das sorgt auch bei größeren Arbeitsplatten dafür, dass nur sehr geringe Abweichungen vorhanden sind.
Jeder Kunde kann sich seine eigene Arbeitsplatte auch vor Ort aussuchen. „Wenn ich mit dem Kunden beim Aussuchen im Lager stehe, rede ich nicht über Verschnitt. Der Kunde bekommt genau den Teil einer Platte, den er haben will. Das ist ein Teil unsere Firmenphilosophie“, so Stefanie Schwanekamp. Auf den Platten wird mittels Klebeband die richtige Stelle markiert und die Platte auf den Namen des Kunden registriert. Zur Auswahl stehen dem Kunden etwa 100 verschiedene Natur- und Kunststeine.
Für die Arbeitsplatten werden 7-12 Millimeter dicke Natursteinplatten verwendet. Zusammen mit einem patentierten Stahlrahmen ergibt sich eine Vielzahl von Möglichkeiten: Die Arbeitsplatte wird leicht und ist trotzdem noch stabiler als eine Massivsteinplatte, sie wird schraubbar und kann dadurch fest mit den Küchenschränken verbunden werden. Außerdem ergibt sich durch dieses Verfahren eine beliebige Stärke von 12 bis 130 Millimeter; eine nahezu unendliche Vielfalt an Kanten kommt hinzu. Der mit Abstand größte Vorteil ist jedoch, dass die Platte sofort zusammen mit den Schränken montiert werden kann. Kunden müssen nicht lange warten, bis die Platte vermessen und produziert wird. Sie können die Küche sofort nutzen.
Produziert werden mit 65 Mitarbeitern in zwei Schichten jährlich etwa 6000 Platten. Zunächst schneidet ein Wasserschneider mit einem Druck von 4200 Bar den Grundriss der Arbeitsplattenteile aus. Dies geschieht mit hoher Präzision mittels Computersteuerung. Anschließend wird die Kante angebracht. Nach der „Hochzeit“ mit dem Stahlrahmen werden die Ausschnitte gemacht, um die Bruchgefahr auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Anschließend wird die Platte imprägniert. Vor der Verpackung wird jede Platte zusammengesetzt, um eine absolute Passgenauigkeit zu gewährleisten.
Doch bei Schwanekamp werden nicht nur Küchenarbeitsplatten hergestellt, wie im hauseigenen Schulungszentrum eindrucksvoll demonstriert wird. Dort standen ein Badezimmer, komplett aus Naturstein, sowie die mit Schnee bedeckte Outdoor-Küche „Zenit“. Mit dieser Küche hat Schwanekamp sogar zwei Innovationspreise gewonnen.
Des Weiteren haben wir Vieles über Natursteinarten, die Entstehung, den Abbau und den Einsatz als Werkstoff gelernt. „Der Abbau pro Jahr beträgt gerade einmal den Eifelturm in Würfelform“, so Stefanie Schwanekamp.
Wir bedanken uns für die Führung und einen insgesamt sehr informativen Tag.
Text: Fabian Pietzka
Foto: Mark Mahr