Markantes Möbel-Menü
Eine Orientierungshilfe von Thaddäus Rohrer

Eine Ausbildung im Einzel- oder Großhandel, in der Industrie oder im Handwerk liegt bereits hinter ihnen. Oder sie kommen mit Abitur bzw. Fachabitur von der Schule und haben den Traineevertrag mit einem Unternehmen des Einrichtungshandels in der Tasche – die Studierenden der Möfa. So unterschiedlich bisherige Lebenswege auch sein mögen, so ähnlich sind doch die grundlegenden Erwartungen an die eigene Fort- und Weiterbildung: In überschaubarer Zeit möchten sich Studierende zu einer leitenden Stellung innerhalb der Einrichtungsbranche befähigt sehen.

Doch was kennzeichnet diese Branche? Wohin entwickelt sie sich? Was sind Trends, die man kennen sollte? Gerade Anfangssemester wünschen sich hier Basisinformationen, die eine allererste Orientierung erlauben. Im Rahmen des traditionellen Möfa-Branchenforums bot der renommierte Personalberater Thaddäus Rohrer solche Information. Sein Vortrag bot ein reichhaltiges Menü aus grundlegenden Fakten.

Eingeleitet wurde der Vortrag mit einem starken Aperitif: Rohrer sprach vom Rückgang der Möbelindustrie in den letzten zwanzig Jahren, von Konzentrationsprozessen im deutschen Mittelstand, von verschiedenen Verbandsformen und Vermarkungsideen und nicht zuletzt von den Umwälzungen, von denen auch die Großfläche nicht verschont bleibt.
Aufschlussreich: Das Gros des Marktvolumens der Möbelbranche von ca. 30 Milliarden € nehmen Küchen mit circa 25-30% und Polstermöbel mit circa 20-25% ein. Dieser hohe Rang im Polstermöbelbereich lässt sich auch auf die Trendströmung der Boxspring-Betten zurückführen, die statistisch unter die Kategorie der Polstermöbel fallen. Analog zu dem bestehenden Konzept der Küchenstudios macht Rohrer hier eine Entwicklung zu vermehrten Fachmarkt-Konzepten von Boxspring-Spezialisten aus.

Im anschließenden Hauptgang servierte Thaddäus Rohrer den Möfisten Überlegungen zu den Chancen des Internet- und Distanzhandels. Er hat den Kataloghandel weitgehend ersetzt.
Im Zuge der neuen Informationskultur empfiehlt es sich aus Sicht des Referenten, die Werbekosten neu zu teilen und die Online-Vermarktung stärker zu fokussieren. Als zukunftsweisendes Beispiel stellt Rohrer die Online-Plattform „deinschrank.de“ vor, die aufzeigt, wie stationärer Handel digital abgebildet werden könnte. Auch die Zulieferer-Industrie nutzt die Möglichkeiten der neuen Medien, um neue Märkte zu erschließen und die Hersteller auf dem Weg zum Endverbraucher zu überspringen. Als wegweisendes Instrument nannte Rohrer hier die Plattform IMOS.
Aber nicht nur in der Vermarktung und Planung ist die Digitalisierung schon weit gediehen, diese Tendenz hält auch Einfluss auf die Verkaufsfläche. Elektronische Auszeichnung der Artikel (Elektro-Displays), Lieferscheine in Form von Etiketten oder Chips, mit denen eine automatische Warenbewegungserfassung möglich wird, sowie die Verwendung von iPads im Verkauf und Nearfield-Communication beim Bezahlvorgang sind Themen von zunehmend größerer Bedeutung. Zusätzlich zu diesen internen Einflüssen obliegt die Möbelbranche auch einem allgemeinen gesellschaftlichen Wertewandel. Er betrifft besonders die Hersteller von Kastenmöbeln. Eine Zunahme der Single-Haushalte, geringerer Stauraumbedarf, bodentiefe Fenster und damit weniger Wandflächen sind Faktoren, die den Markt gravierend verändern.

Rohrer rundete sein Informationsmenü mit Überlegungen zum Thema „Steuern und Kapital“ ab. Aus seiner Sicht kommt das internationale Steuerrecht vor allem Konzernstrukturen entgegen. Konzerne parken etwa Management- und Immobiliengesellschaften im Ausland. Der Mittelstand trägt die Folgeschäden – mit Konsequenzen für die Fähigkeit zu Investitionen.

Von der Mensa ausgehende olfaktorische Reize fluteten bereits zart den Raum, als Thaddäus Rohrer als Fazit seines Vortrags unter anderem darauf verwies, dass Database-Marketing die Werbestrukturen maßgeblich verändern werde. Letzte Notizen wanderten auf die Notizblöcke, dann dankten Studierende für reichhaltige geistige Nahrung. So versorgt, wandten sich rasche Schritte anschließend der guten Schulküche zu. Denn auch der körperliche Appetit verlangt eben sein Recht.

Text: Marvin Brandes, Carlotta Klasen, Florian Löw
Foto: Viktoria Klepatschow