Vergleichende Fischbrötchen-Technologie

Wann weht auf neuen Wegen Rückenwind?

Kennen Sie das Lied „Ahnungslos durch die Nacht“? Wohlgemerkt: Es ist nicht von Helene Fischer und nicht von fehlendem Atem, sondern von unzureichendem Wissen die Rede. Diesem Wissenmangel abhelfen möchten zum Beispiel Weiterbildungsmessen, die mit pfiffigen Sprüchen für ein vertieftes Interesse an beruflichen Chancen werben. „Ahnungslos durch die Nacht“ stand deshalb auf einer Postkarte, deren Rückseite die entscheidende Fortsetzung enthielt: „Das muss doch wirklich nicht sein!“

Zupackende Slogans zur richtigen Wahl von Studium und Beruf gibt es zuhauf. „Erkenne dich selbst!“, „Geh deinen Weg!“ rufen dem Studierwilligen die Prospekte der Hochschulen zu. „Knackige Karrieren an der richtigen Stelle“ werden in Aussicht gestellt; von „vielen schwungvollen Perspektiven“ und „echten Leckerbissen für den Berufseinstieg“ ist außerdem die Rede. Manches Fächerangebot, das diesen Zielen dienen soll, ist besonders erstaunlich: Eine Hochschule im hohen Norden wirbt etwa unter dem Slogan „Studieren am Meer“ für den „Master of Surfologie“, für den „Bachelor of Beachball Arts“, für „Maritimes Bikini-Management“ und für „Vergleichende Fischbrötchen-Technologie“.
Selbstverständlich ist das nicht ernst gemeint. Ein ironisches Augenzwinkern kann sich wohl erlauben, wer um die besondere Güte seiner Ausbildung weiß. Wahr ist aber auch: Der Spaß findet sehr schnell ein Ende. Schließlich geht es um die richtigen Lebenswege, um geglückte Entscheidungen, die zu einem klaren Ziel hinführen sollen. Auf diesem Weg gibt es manchmal reizvolle Aufenthalte, die zu aufregenden Zwischenstopps einladen, ohne jedoch endgültige Antworten zu bieten. In anderen Fällen können Wege sehr lange erfolgreich beschritten werden. Dann aber ist doch wieder der Mut zu einer tragfähigen neuen Orientierung gefragt. Sie soll die eigene Qualifikation weiter ausbauen, um Chancen am Arbeitsmarkt zu erhöhen.
Beispiele zu solchen Lebenssituationen bieten die beiden Erfahrungsberichte auf dieser Seite. Sie zeigen, dass Klugheit und Wissen, die aus einer bereits gelebten Teilstrecke des Lebens erwachsen, gerade an der Möfa kein Schönheitsfehler sind. Sie werden vielmehr wahrgenommen als das, was sie sind: ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt. Viele erfolgreiche Karrieren früherer Absolventen zeigen, dass dieses Pfund sehr bald ein ganz anderes Gewicht gewinnen kann. Studierende wie Dozenten stimmt das froh. Worauf sonst sollte auch eine Fachschule mehr stolz sein?

Text: Helmut Steinmetz


Als Profi auf die Schulbank
Weiterbildung als Chance


Wenn man mit 51 Jahren seinen Freunden erzählt, dass man zum nächsten Herbst an die Möfa nach Köln geht, kommt fast unweigerlich die Frage: „Tatsächlich – als Dozent?“ Und man schaut zunächst in erstaunte Gesichter, wenn die Antwort lautet: „Nein, als Studierender, im Rahmen der Weiterbildung.“

Es ist meine berufliche Vorgeschichte, die das Erstaunen auslöst. Seit dreißig Jahren beschäftige ich mich mit Möbeln. Fast ein Vierteljahrhundert habe ich bei einem mittelständischen Unternehmen als Gesamtdekorationsleiter und als Ausbilder gearbeitet. Ästhetisches Empfinden und Kreativität waren für eine Arbeit erforderlich, bei der stets nach neuen Wegen und Ideen gesucht wurde. Gerne denke ich etwa zurück an die Planung und den Umbau von Möbel-Abteilungen oder an neue Konzeptionen für den K.N.A.S.T.-Mitnahmemarkt des Möbelhauses Knuffmann.
Der Job als Dekorationsleiter ist selten ausgeschrieben. Mein letzter Arbeitgeber, ein Ladenbauer, vermittelte mir jedoch nicht das Vertrauen und die Wertschätzung, die ich erwarte. Es war Zeit für einen Neuanfang. In den nächsten Monaten habe ich deshalb gleich mit mehreren namhaften Unternehmens- und Personalberatern aus der Einrichtungsbranche über meine berufliche Zukunft gesprochen. Wichtig war für mich der Hinweis von dieser Seite, dass die Weiterbildungsangebote der Möfa nach einer umfangreichen externen Prüfung zertifiziert worden sind. Damit ergibt sich die Möglichkeit, Bildungsgutscheine der Arbeitsagentur zu verwenden.
„Ich habe eine Idee mit mir“, eröffnete ich deshalb ein Gespräch mit meiner Arbeitsberaterin. Die erste Reaktion: Skepsis. Ich musste ein wenig kämpfen für meine Idee. Denn schließlich wollte ich keine kurzatmige Schnellorientierung. Ich wollte auf eine spannende Wissenreise gehen, die es mir erlaubt, meine eingehende berufliche Erfahrung mit profundem neuen Wissen zu kombinieren. Im Sommer des nächsten Jahres werde ich jetzt mit der Qualifikation als staatlich geprüfter Küchenfachberater die Schule verlassen.
Ich freue mich auf die Aufgaben, die 2016 auf mich zukommen werden. Noch weiß ich nicht sicher, ob das eine Tätigkeit im Handel, im Verband oder in der Industrie sein wird. Doch ich weiß: Menschen mit echtem Gefühl für gestalterische und planerische Aspekte gibt es nicht an jeder Straßenecke. Das stimmt mich zuversichtlich, auch in der Zukunft eine herausfordernde Aufgabe für mich finden zu können.

Text und Foto: Ralf Schneider


„Wenn nicht jetzt, wann dann?“
Nach einem guten Jahrzehnt Berufserfahrung zur Weiterbildung an die Möfa

„It's never too late to get your bottom out of your comfort zone." Warum dies mein Motto ist und wie ich als Schweizerin aus der Pharmaindustrie zur Möbelfachschule nach Köln kam.
Ich wurde 1987 geboren und bin im zweisprachigen Kanton Fribourg aufgewachsen. Im zarten Alter von 15 Jahren sollte ich mich entscheiden, was ich beruflich machen möchte. Es fiel mir wesentlich leichter zu sagen, was ich nicht wollte. Der Gedanke, mich so früh entscheiden zu müssen, was ich mein Leben lang beruflich machen möchte, versetzte mich in eine pubertäre Trotzphase. Meine Eltern, kurz vor dem Verzweifeln, schleiften mich zu einer bekannten Berufsberaterin nach Zürich. Nach einer vierstündigen Sitzung in einem stickigen Mini-Büro, voll riesiger Papierstapel, stand das Ergebnis fest: Die kaufmännische Ausbildung sollte für mich genau das Richtige sein. Die Begründung lag in der guten Basis für alle meine damaligen Träume. Und das waren so einige.
Ich absolvierte also die „Basisausbildung" zur kaufmännischen Angestellten in einem Industriebetrieb. Bevor ich danach in die große Berufswelt eintauchte, auf der Suche nach dem richtigen Job, erfüllte ich mir meinen Traum von Afrika. Nach vier Monaten freiwilliger Arbeit in Ghana und sechs Monaten als Hotelangestellte in Madagaskar freute ich mich – zurück in der Schweiz – auf meine erste berufliche Herausforderung. Ich hatte einen Plan. Ich wollte, wie viele andere, in die glamouröse Eventbranche. Eineinhalb Jahre und zahlreiche Großanlässe später – die UEFA-Europameisterschaft 2008 und diverse Schweizer Musikfestivals gehörten hierzu –, sehnte ich mich nebst einem stabilen und bodenständigen Umfeld vor allem nach mehr Wissen. Ich war ehrgeizig und wissbegierig. Und so landete ich mehr oder weniger zufällig in der Pharmaindustrie.
Ich bekam eine Stelle als Marketing-Assistentin und gleichzeitig startete ich berufsbegleitend die Ausbildung zur Marketingfachfrau. Nach drei Jahren wurde ich Brand Manager und war damit verantwortlich für sämtliche Marketingfragen für verschiedene Produkte. Ein abwechslungsreicher Job, welcher mir unheimlich viel Spass machte. Ich genoss großes Vertrauen, einen großzügigen Entscheidungsspielraum und die Zusammenarbeit mit einem tollen Team. Aber nach drei Jahren Brand Management, erfolgreichen und weniger erfolgreichen Produkteinführungen, merkte ich, dass mich Zäpfchen, Tabletten und Kapseln auf Dauer nicht glücklich machen würden.
„Was würdest du tun, wenn du heute noch einmal von ganz vorne anfangen könntest? Welche Branche würdest du wählen, wenn du heute noch einmal 15 Jahre alt wärst?" Diese Frage musste ich mir nicht oft stellen: die Möbelbranche! Schon als kleines Mädchen schaute ich meiner kreativen Mutter gerne beim Dekorieren zu. Meine Eltern waren mit den neuesten Wohntrends immer auf Augenhöhe und haben die Begeisterung für schöne Möbel schon früh an mich weitergegeben. Heute bin ich selbst immer auf der Suche nach neuen Highlights für meine eigene Wohnung in Bern und immer mal beratend an der Seite, wenn Freunde sich zuhause nicht mehr wohl fühlen. Auf den zweiten Blick war mir die Möbelbranche immer dicht auf den Fersen.
Ich war hin und her gerissen, einerseits zufrieden zu sein mit dem, was ich habe und andererseits bestimmt von dem Wunsch, mich noch einmal beruflich zu verändern. Die Entscheidung fiel eines Abends im Herbst vergangenen Jahres. Ein Bekannter, der die Ausbildung an der Möbelfachschule 2014 erfolgreich absolvierte, schwärmte einmal mehr vom tollen Jahr in Köln und meine Freunde ermutigten mich: „Wenn nicht jetzt, Danielle, wann dann?"
Als ich Anfang 2015, nach fünf Jahren, beim Pharmaunternehmen Vifor kündigte und mitteilte, dass ich meinen Job an den Nagel hängen werde, um an die Möfa zu gehen und die Schulbank zu drücken, hätten die Reaktionen kaum unterschiedlicher sein können. Einige wenige haben mich mit komisch verzogenem Gesicht angeschaut, die meisten aber haben mir zu meinem Mut gratuliert. Ich bin davon überzeugt, dass ich es dem Drang, mich selbst immer wieder aus meiner Komfortzone zu schubsen, zu verdanken habe, dass ich all das Vergangene erreicht habe und erleben durfte. Heute studiere ich glücklich in Köln. Ich freue mich in dieser Branche angekommen zu sein, auf das Jahr an der Möbelfachschule und all die spannenden Erfahrungen, die mich noch erwarten werden.

Text und Foto: Danielle Kradolfer