Erfolgsfaktor „Wertschätzung“
Was Studierende in einem „Knigge-Seminar“ lernten

Wie wirke ich auf andere? Zum Beispiel auf den Personalentscheider, den Vorgesetzten, den Kunden, den Gesprächspartner auf der Messe, den Tischnachbarn beim Galaabend und auf viele weitere Menschen, die meine Wege kreuzen? Wohl jeder wünscht sich hier viele positive Momente, da „draußen in der großen Welt“, dort, wo es dem eigenen Erfolg dient, Köpfe und Herzen seiner Mitmenschen für sich zu gewinnen. Klar: Denken wir an schlechtes Benehmen, fallen uns sofort die anderen ein. Nur äußerst selten und sehr ungern denken wir an uns. Und doch sind junge Erwachsene oft kritisch genug, um strenge Maßstäbe auch an sich selbst anzulegen.
Das jedenfalls wurde im Sommersemester in den Fachberaterklassen der Möfa deutlich sichtbar. Denn die Studierenden wissen: Schlechte Manieren können ein echter Karrierekiller sein. Soziale Kompetenzen spielen eine immer wichtigere Rolle. Und weil also zeitgemäße Höflichkeit und Wertschätzung keine alten Hüte sind, liegt es nahe, die Regeln des berühmten Freiherrn von Knigge in ihrer modernen Fassung nach wie vor zu beherzigen. Wen sollte es daher wundern, dass sich wissbegierige Möfisten auch nach einer langen Arbeitswoche noch in der Schulaula trafen, um aus berufenem Munde mehr zum Thema zu erfahren?
Sonja Hüls, Trainerin für diesen Tag, ist das, was man landläufig gerne eine „Powerfrau“ nennt. „Aktiv und entspannt“ ist die Devise ihrer Website. „Es ist genau das, was mich ausmacht,“ erläutert sie , „als Tanzlehrerin lasse ich andere gern aktiv werden. Nicht nur lässig ist auch die Stimmung, wenn es um so schöne Themen wie Resilienz, Glück, Kommunikation, Konfliktmanagement und moderne Umgangsformen geht. Wer die Knigge-Regeln kennt, geht aber insgesamt entspannter durchs Leben.“
Es gibt Dinge, die körperbewusste Menschen wie Tanzlehrer, Fechtmeister oder Schauspieler einfach besser wissen als andere. Dazu gehört die Erfahrung, dass die leitenden Signale des Körpers auf die innere Stimmungslage der Seele zurückwirken. Lächle – und du fühlst dich tatsächlich besser. Gehe beschwingt – und du tankst zusätzlichen Elan. Umgekehrt ist es kaum möglich, todtraurig auszusehen und zugleich positiv zu denken. Körper und Geist stehen eben in enger Wechselwirkung zueinander. Wir haben es in der Hand, wie wir durch die Welt gehen und wie wir von anderen wahrgenommen werden wollen.
Außerdem: Wer anderen etwas schenkt, steigert die Wahrscheinlichkeit, dass er etwas zurückbekommt. Karitative Organisationen beherzigen das zum Beispiel. Ihre Botschaft: Ich sende dir Adressaufkleber oder einige Postkarten, von Waisenkindern oder blinden Künstlern gemalt – und du fühlst dich eher verpflichtet zu einer Spende. Genau dieses Prinzip der Wechselseitigkeit funktioniert nicht nur bei materiellen Gütern. Es bewahrheitet sich ebenso auf einer ideellen Ebene. Wer Wertschätzung säht, wird meist Wertschätzung ernten.
Im Rahmen konventioneller Höflichkeit gibt es in diesem Sinne viele Möglichkeiten, der Welt zu zeigen, dass man nicht ihr Feind ist. Etliche davon durften Möfisten im Seminar von Sonja Hüls kennenlernen: In Rollenspielen reichte man einander die Hand, grüßte und stellte sich vor, beachtete Distanzzonen, spürte in verschiedenen Haltungen dem eigenen Körpergefühl nach. Irgendwann lagen viele auf dem Boden. Zum Glück nicht aus Erschöpfung, sondern aus Neugier: Auf großen Papieren sollte aufgezeichnet werden, was bei einem festlichen Gedeck an welcher Stelle auf dem Tisch zu liegen hat. Das sorgte zunächst für einige verwirrte Lacher und später erneut für vertiefte Einsicht.
„Es geht nicht darum zu warten, dass das Unwetter vorbeizieht. Es geht darum, im Regen zu tanzen“, so zitiert Sonja Hüls gerne den amerikanischen Motivationsredner Zig Ziglar. Es ist eine dankbare Aufgabe, zu hilfreichen Denk- und Verhaltensweisen zu motivieren. Ein gewinnbringender Samstag mit Sonja Hüls hat ohne Zweifel hierzu beigetragen.
Text: Sonja Hüls, Simone Schleupen, Helmut Steinmetz
Foto: Frank Steinhaus, Chantal Wolf