Wunderkugel
Von der Faszination eines ganz besonderes Möbelbausystems

„USM!“. Die Antwort ist eindeutig. Die Tonlage auch. Ein gewisses Feuer in der Stimme ist spürbar. Genährt ist es oft von persönlicher Anschauung, von ersten eigenen Erfahrungen aus der Berufspraxis und einem Wissen um enorme Gestaltungsmöglichkeiten. „O.k.“, sagt deshalb der Dozent. Er sagt es gern, weil er die knappe Antwort des Studierenden gut nachvollzieht.
Doch eigentlich war die Frage, die im Raum stand, durchaus offen. Denn schließlich ging es um simulierte Verkaufsübungen, die von Studierenden in einem der Möfa-Studios durchgeführt werden sollten. Nun hat die Möfa zum Glück viele freundliche Unterstützer. Und genau deshalb gibt es auch eine ansehnliche Zahl von Einrichtungsgegenständen, vor denen fiktive Kunden im Rahmen des Unterrichts stehen bleiben können. Eine dieser Möglichkeiten, um warenkundliches und verkauftechnisches Wissen sehr konkret und produktbezogen auszuweiten, bieten die USM Möbelbausysteme, die schon seit geraumer Zeit im „Studio 1“ der Schule stehen. Die Reaktion von so manchem angehenden Einrichtungsfachberater oder Betriebswirt zeigt: Es ist eine Möglichkeit, die gerne genutzt wird.
Erstes Wissen erzeugt schnell weitere Fragen. Und deshalb fand Catrin Krayer von der Firma USM U. Schärer Söhne GmbH im Branchenforum der Möfa auch ein aufmerksames Publikum vor. Es ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte, die sie den Studierenden erzählen konnte. In Mittelpunkt dieser Geschichte steht eine verchromte Kugel aus Messing, die auf einmalige und stabile Weise Metallrohre zusammenführt. Offene Gewinde zu jeder Seite und eine Verbindungshülse, „Connector“ genannt, sorgen für eine tragfähige, flexible und in alle Dimensionen des Raums erweiterbare Struktur, die dann mit Tablaren aus pulverbeschichtetem Stahlblech ausgekleidet wird.
Zweifellos war es ein großer Wurf, der Paul Schärer, Enkel des Unternehmensgründers Ulrich Schärer, gemeinsam mit dem jungen Architekten Fritz Haller vor gut einem halben Jahrhundert gelungen ist. Die Idee eines modularen Systems ließ letzten Endes eine Schmiedewerkstatt des Jahres 1885 zu einem modernen Industrieunternehmen anwachsen, das heute weltweit die Räume geschäftlicher wie privater Kunden mit seinen Möbelbausystemen ausstattet.
Von einem wichtigen Schritt in diese Richtung erzählt Catrin Krayer den Studierenden gerne: Der erste Großauftrag mit den USM Haller Möbelbausystemen kam für das Unternehmen eher überraschend. Das zunächst ausschließlich für den Eigenbedarf im Büropavillon in Münsingen entwickelte Möbelbausystem erhielt in Fachpublikationen viel Aufmerksamkeit, sodass die Bank Rotschild sich nach einem Besuch vor Ort und Besichtigung des Möbelbausystems entschied, dieses in ihrem geplanten Neubau in Paris ebenfalls einzusetzen. Eine enorme Herausforderung in den 60iger Jahren, deren Umsetzung gleichzeitig den Beginn der Serienproduktion der USM Haller Möbelbausysteme darstellte.
„Uns ist es wichtig, dass USM Haller lebt und nicht zum Museumsstück wird. Darum entwickeln wir es stetig weiter,“ betont Alexander Schärer, der inzwischen in der vierten Generation die Geschicke des Unternehmens leitet. Das „Prinzip Marke“ stellt für USM einen ganz besonderen Wert dar. Das Prinzip des offenen Systems erlaubt es, dass sich die USM Möbelbausysteme aufgrund ihrer Modularität immer wieder neu erfinden und damit immer wieder Ausdruck einer gewissen „Zeitlosigkeit im Zeitgeist“ sind.

Die kulturelle Initiative „Rethink the Modular“, das Experiment „Steal me“ sowie in diesem Jahr die Kampagne „Make it yours“ – vielschichtige kreative Projekte zum 50 jährigen Bestehen der USM Möbelbausysteme zeigen auf ungewöhnliche Weise, wie begehrenswert der wandlungsfähige Möbelklassiker auch für die junge Generation ist. Und damit wären wir wieder am Beginn dieses Berichts: Denn, wohl gemerkt, auch Reaktionen junger Möfisten bestätigen diese Einschätzung.

Text: Nadine Haase, PR-Gruppe
Foto: USM