Sitzen, nicht seufzen

Was heißt „Qualität“, wenn es ums Sitzen geht? – Erkundungen vor Ort

Ob auf dem eigenen Sofa, in der VIP-Lounge der Lufthansa oder in einer Suite auf der MS Europa 2 während einer Kreuzfahrt auf dem Ozean: Wohlfühlen wollen wir uns immer, wenn wir nach einer Sitzgelegenheit suchen, um einfach mal Platz zu nehmen. Vielleicht auf einem Polstermöbel, das nicht nur auf den ersten Blick einfach schön ist, sondern vor allem auch sehr bequem. Wo einem schnell der Gedanke durch den Kopf zieht: „Ja, das ist wenigstens noch Qualität. Das merkt man hier sofort.“

Wir haben Platz genommen. Wir: Das sind fünfzehn Studierende des dualen Fachschulstudiengangs zum staatlich geprüften Betriebswirt mit der Fachrichtung Möbelhandel, begleitet von zwei Dozenten. „Be-sitzen“ ließ sich im allerwörtlichsten Sinne ein Klassiker des Herstellers COR, der wohl jedem Studierenden zumindest dem Namen nach sehr schnell vertraut ist. Ein Produkt, das inzwischen vor über fünfzig Jahren entwickelt wurde und bis heute außerordentlich erfolgreich ist. Es steht an allen möglichen Orten der Welt, insgesamt über 750.000 Mal. Wovon könnte hier wohl die Rede sein – außer von dem Sitzmöbelsystem „Conseta“?

Zugegeben: Körpergerechtes Sitzen auf diesem Sofa haben wir nicht auf einem der besten Kreuzfahrtschiffe Europas ausprobieren können. Mitten im Semester ist Rheda-Wiedenbrück einfach der realistischere Exkursionsort. Vielleicht aber lässt sich dort sogar besser nachdenken: Darüber, was ein gutes Polstermöbel nun wirklich ausmacht – sichtbar und zunächst unsichtbar, äußerlich und mit Blick auf seine „inneren Werte“. Auch im alltäglichen Unterricht lässt sich das natürlich eingehend erfahren. Vor Ort aber lässt es sich noch eindringlicher erleben. Für uns ein guter Grund, um innerhalb von nur drei Tagen an immerhin fünf Ort zu reisen.

„Geruch und Anblick sind hier eher nichts für zarte Gemüter“, meinten einige Studierende, als sie sich bereits am zweiten Lernort ihrer Reise befanden. Ort des Geschehens: Heller Leder, ein traditionsreiches Unternehmen im niedersächsischen Hehlen. Hier entsteht aus einem Abfallprodukt der Fleischindustrie in einer Vielzahl von Arbeitsschritten der hochwertigste Möbelbezug. Ein edles Leder, das aufs Sofa kommt oder vielleicht auch in den neuen Sportwagen.

Und wo kommen die Unterkonstruktionen für die Conseta her? Von „LMH Holzprodukte“, einem kleineren Sägewerk in Hameln. Riesige Mengen verschiedenster Holzarten stapeln sich hier auf dem Hof. Hier wird Holz gelagert, getrocknet, gesägt und verladen. Nicht immer endet dieser Weg dann zum Schluss im Inneren eines Sitzmöbels. Denn so manches kleine Schmuckkästchen, so war zu erfahren, hat seinen Ursprung im gleichen Sägewerk.

Es gibt keinen zweiten Ort, an dem das Sitzen so zur Last werden kann, wie im Büro. Hier wünschen wir uns, dass „Ergonomie“ kein abstraktes Schlagwort bleibt, sondern wirklich in möglichst viel aktiver Bewegtheit mündet. Individuelle Bedürfnisse sollen dabei berücksichtigt werden. Zum Beispiel mit Stühlen, die sich sehr einfach verstellen lassen. Und einem Mobiliar, das jederzeit den wechselnden Anforderungen der modernen Arbeitswelt angepasst werden kann. Wie alles das genau geschehen kann, haben wir beim Büromöbelhersteller Wilkhahn von Vertriebsleiter Frank Hübecker aus erster Hand erfahren.

„Jedes Mal, wenn du alle Antworten gelernt hast, wechseln sie alle Fragen.“ Ein amerikanischer General soll das vor einem Jahrhundert als Erster gesagt haben. Recht hat er. Zumindest manchmal, zumindest bei unserer Exkursion. Denn nachdem wir so viel über das Sitzen erfahren hatten, warf der Besuch des Unternehmens Paschen ganz neue Fragen auf: Ganze 130 Jahre reicht der Zeitstrahl zurück, auf dem die Geschichte des Traditionsherstellers, dessen Bibliotheksmöbel jeder kennt, verzeichnet werden kann. Wie geht es jetzt, nach Unternehmenskrise und Neuordnung, weiter? Einer der Investoren, Frieder Löhrer, berichtete über seine Planungen für die Zukunft und neue Projekte. Er bot Einblicke, die neugierig machten. Kein Wunder also, das Frieder Löhrer wenige Wochen später als Gast im Branchenforum vor einem breiteren Publikum noch eingehender über neue Unternehmensstrategien sprach. Doch das ist wieder ein eigenes Möfa-Thema…

Text: Arianna Hagenbach
Foto: Niklas Krüger