Mailands moderne Möbel
Eine Ferienexkursion

Es war eine ganz besondere Erfahrung. Noch in den Semesterferien, fünf Tage lang im September, reisten dreißig Studierende der Möbelfachschule mit eigenem Wagen zunächst in die Schweiz und anschließend in die Mode- und Möbelmetropole Mailand. Sie wollten Hersteller selbst in Augenschein nehmen, deren Namen klangvoll sind und deren Produkte sie faszinieren.

Bereits um sechs Uhr morgens begann die Reise. Zunächst Richtung Bützberg (Schweiz), zur Girsberger AG. Das Unternehmen hat sich auf die Bereiche „Dining“ und „Büro und Objekt“ spezialisiert. Etwas verspätet traf man dort ein, wurde aber sogleich mit einem liebevoll zubereiteten kalten Buffet und Getränken sehr herzlich willkommen geheißen. Nach kurzer Ansprache durch Karin Schäfer, der Verantwortlichen für den Bereich „Dining“, erkundeten die Möfisten den großzügigen Showroom, der auch für Privatkunden zugänglich ist. Die Produkte sind alles andere als Massenware. Um ihre Exklusivität zu erhalten, werden sie nur durch ausgewählte Partner vertrieben. Eine entscheidende Rolle spielt der Gedanke der Nachhaltigkeit: Für jeden gefällten Baum wird sogleich ein neuer gepflanzt, nur europäisches Holz wird verwendet.

Eine Führung durch die Produktion rundete den gewonnenen Eindruck ab. Beeindruckend ist die Zahl der Arbeitsschritte, die ein Möbel zu seiner Entstehung braucht. Rund hundertfünfzig Mitarbeiter arbeiten Hand in Hand, um das bestmögliche Produkt zu schaffen. Dabei werden nicht nur neue Möbel hergestellt, sondern auch Klassiker anderer Firmen, wie z. B. der Stuhl „Serie 7“ von Fritz Hansen, aufgearbeitet.

Viele weitere Eindrücke bei der Girsberger AG fanden schließlich ihren harmonischen Abschluss mit dem Austausch von Präsenten: Fein gearbeitete Holzbrettchen wechselten den Besitzer; umgekehrt wanderte ein Fässchen Kölsch als Dankeschön an die Gastgeber. Dann ging die Reise weiter, in das etwa drei Stunden entfernte Mailand, wo man gemeinsam die ersten italienischen Pizzen vertilgte.

Einst Produzent von Autokarosserien, heute richtungsweisender und erfolgreicher Hersteller von Kunststoffmöbeln. Die Rede ist von Kartell. Ein Besuch dort durfte natürlich nicht fehlen. Vor Ort wurden Möfisten sogleich auf eine englischsprachige Zeitreise mitgenommen, die ihren Anfang mit dem Jahr 1949 nahm und in der Gegenwart endete. Einzelne Räume für jede Epoche und Anschauungsmodelle für jedes Jahr ließen Designgeschichte anschaulich werden. Ebenso interessant wie die Objekte selbst ist dabei deren Hülle: Zwar ist das Gebäude sehr offen gehalten und verfügt über ein großes Atrium. Dennoch wäre es ein Leichtes, sich hier zu verirren. Denn es gibt viele Treppen und Wände und nur ein Weg führt in das Museum hinein und nur einer wieder heraus.

Nach dieser außergewöhnlichen Führung brach man am Nachmittag in die Mailänder Innenstadt auf. Manches ist nur auf den ersten Blick selbstverständlich. Das gilt etwa für den Kauf von Tickets für die Mailänder Metro. Denn es hatte den Anschein, als sei Englisch in Italien immer noch eine recht fremde Sprache. Mit Händen und Füßen gelang dennoch die Verständigung. Und so ließ sich eine Stunde später alles Sehenswerte aus dem Inneren des Mailänder Doms bestaunen. Wer mehr Kultur wollte, machte anschließend die Altstadt unsicher; andere kümmerten sich vor allem um ihren knurrenden Magen.

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