Wo bitte geht's zur Zukunft?
„Möfisten“ als Gäste der MHK-Hauptversammlung

„In exponential times, if you improve your performance incrementally, you actually fall behind exponentially.” Curtis R. Carlson, ehemaliger CEO des Stanford Research Institute und bedeutender Vordenker des technologischen Fortschritts, hat das gesagt. Auf der MHK-Jahreshauptversammlung wurde er zitiert. Denn zweifellos leben wir in einer Zeit radikalen Umbruchs. Nichts in ihr ist für den geschäftlichen Erfolg wichtiger als ständige Innovation. Doch was kann das konkret für den Küchen- und Einrichtungshandel bedeuten? Das wollten rund 100 Studierende der Möbelfachschule als Gäste bei der Hauptversammlung der MHK Group erfahren.

Über 3.000 Gäste waren im Estrel Hotel in Berlin zusammengekommen, um das beste Jahr in der 37-jährigen Unternehmensgeschichte der Einkaufskooperation für Küchen-, Möbel- und Sanitärfachhandel zu feiern. Zum ersten Mal war die Schallmauer von 5 Mrd. Euro Außenumsatz durchbrochen worden. Eine Zunahme von 12% gegenüber dem Vorjahr — getrieben allerdings durch eine Zunahme der Mitgliederzahl von ebenso 12%.

Ausruhen auf diesen Lorbeeren wollte sich keiner der Vertreter aus Handel und Industrie, die zur Hauptversammlung gekommen waren. Im Gegenteil, die Veranstaltung stand ganz im Zeichen des Wandels: Wo soll es hingehen in den nächsten Jahren?

Eine der Antworten, die den Studierenden auf diese Frage gegeben wurde, betraf den fortlaufenden Ausbau von Eigenmarken. Aktuell machen MHK-Eigenmarken, wie „altano“, “Designo“, „elementa“ und „xeno“ rund 50% des Außenumsatzes aus. Die Tendenz ist weiter ansteigend: Mit „Selectiv fresh“ wurde pünktlich zur Hauptversammlung eine neue Eigenmarke aus der Taufe gehoben. Gemeinsam mit dem Küchenbauer Ballerina wurde ein Küchensystem entwickelt, das vor allem gesundheitsbewusste Menschen ansprechen soll. Regale für Küchenkräuter mit speziellem Licht zum Keimen, extra große Spülbecken mit hoher Armatur und ausziehbarer Brause sowie Porzellanschütten für diverse Zutaten kommen all jenen entgegen, die gerne frisch und grün essen.

Die zweite Antwort, von den Studierenden mit besonderem Interesse verfolgt, bezog sich auf die fortschreitende Digitalisierung. In einer aktuellen Umfrage auf der imm cologne hatten „Möfisten“ herausgefunden, dass viele Händler das Thema Online-Marketing auch fast drei Jahrzehnte nach Erfindung des World Wide Web noch stiefmütterlich behandeln. Fast die Hälfte der Küchenstudios aktualisiert ihre Homepage nur in halbjährlichen oder längeren Abständen. Online-Werbung auf Webseiten, Suchmaschinen und sozialen Medien bleibt oft ungenutzt. Gleichzeitig informieren sich jedoch 80% der Küchenkunden vor dem Kaufabschluss im Internet. Angesichts dieser Zahlen der Möbelfachschule wird deutlich, vor welchen Aufgaben der Küchenhandel in den nächsten Jahren steht.

Jetzt aber bekommen die Händler bei diesen Aufgaben eine noch umfassendere Unterstützung von der MHK Group. In dreijähriger Projektarbeit wurde das Ratgeberportal www.kueche.de entwickelt, das Kunden inspirieren und bei der Planung unterstützen soll. Dafür wartet die Seite unter anderem mit einem Stilberater und einem Online-Küchenplaner auf. Diese sollen dabei helfen, erste Eindrücke zu sammeln und den persönlichen Stil zu finden. Das Herzstück der Onlinepräsenz ist jedoch ein Call Center mit MHK-Mitarbeitern, das Kunden direkt und unverbindlich beraten soll – mit dem Ziel, weiterführende Beratungstermine im angeschlossenen Fachhandel zu vereinbaren.

Derart versorgt mit neuen Eindrücken, blieb den Studierenden noch genügend Zeit, auch das Rahmenprogramm wahrzunehmen. Auf der begleitenden Messe living & style kamen sie ins Gespräch mit vielen Herstellern, die sie schon auf der imm cologne kennengelernt hatten. Bei den MHK-Preisverleihungen gab es innovative Ideen für Küche und Bad zu bestaunen, und ein Galadinner mit zahlreichen Live Acts, unter anderem Sarah Connor, sorgte für einen festlichen Abschluss der Hauptversammlung. Als die deutsche Pop- und Soulsängerin zur späten Stunde schließlich ihr „Where do we go from here“ anstimmte, waren die wichtigsten Antworten auf diese Frage allerdings bereits gegeben.

Text: David Preiser
Foto: Josephine Maresch, Thi Nguyen-Brandt