Leder ist Emotion

„Pozallo“ (Tommy M) als neues Übungsobjekt

Wie denken wir, was leistet unser Kopf? Im Alltag haben wir meist völlig illusionäre Vorstellungen von dem, was der entwicklungsgeschichtlich jüngste Teil unseres Hirns, nämlich das Großhirn, leistet. Unsere Eigenliebe lässt uns fest an den freien Willen und an selbstbestimmte Entscheidungen glauben. Tatsächlich aber rechtfertigen wir oft nachträglich Entschlüsse, deren Gründe uns selbst nicht deutlich bewusst sind.

Gefühle bestimmen ganz wesentlich unsere Entscheidung. Zunächst ist da ein Bauchgefühl, eine Intuition. Sie ist die Duftspur zu unseren Bedürfnissen. Blitzschnell wissen wir zum Beispiel im Verkaufsgespräch, ob uns der Berater als Verbündeter oder eher als Räuber erscheint und ob uns das neue Polstermöbel gefällt oder nicht. Erst später spricht eine innere Stimme zu uns, sammelt Gründe, wägt Entscheidungen ab. Dann fühlen wir uns herrlich vernünftig – aufgrund einer Illusion: Wir hören nur die Stimme des Großhirns, weil nur das Großhirn Sprache kennt. Was uns tatsächlich antreibt, bleibt weitgehend vor- und unbewusst.

In den letzten Jahren haben renommierte Autoren die Macht der Intuition äußerst eindrucksvoll beschrieben. Ergebnisse der modernen Gehirnforschung führten zu vertieften Einsichten. Diese werden auch an der Möfa im Fach „Verkaufspsychologie“ berücksichtigt. Mit einem ganz besonderen Zungenschlag: Sehr schnell steht die Frage im Raum, was ein bestimmtes Wissen für die Praxis bedeutet, wie sich also aus ihm eine weitere Orientierung für den beruflichen Alltag gewinnen lässt. Hier werden zu Recht überzeugende Antworten erwartet.

Genau solche Einsichten werden nicht zuletzt durch die freundliche Unterstützung möglich, die der Möfa durch zahlreiche Ansprechpartner aus der Einrichtungsbranche immer wieder zuteilwird. Um zu verstehen, was das konkret bedeutet, bewegen wir uns am besten gedanklich ein wenig durch Zeit und Raum. Wir gehen also einige Wochen zurück und betreten im Kellergeschoss der Schule das Polstermöbelstudio.

Dort sitzen angehende Einrichtungsfachberater und Betriebswirte mit zufriedenen Gesichtern auf einem echten Hingucker, dem Polstermöbel „Pozallo“ des Designmöbelherstellers Tommy M. Ihnen gefällt spontan die äußere Anmutung des Möbels, seine schlanke Geradlinigkeit, die Eleganz und Stil in das Wohnzimmer bringen kann. Ihnen gefällt der Gedanke, dass dem Kunden eine außergewöhnliche Auswahl an Lederqualitäten und -farben angeboten werden kann. Und sie freuen sich über die Möglichkeit, durch „Storytelling“ über erlesene Tierhäute dem Produkt einen besonderen Zauber zu verleihen. Überzeugt auch vom Sitzgefühl, streichen die Hände über reines Anilinleder, das stets eine Atmosphäre des Wohlfühlens und des Luxus vermittelt.

Natürlich, so wissen es alle Beteiligten, ist Leder ein Naturmaterial mit Ecken und Kanten. Der nahezu unverwüstliche Ledersitz im Auto ist nur gut zu reinigen, weil eine dicke Pigmentschicht auf das Material gelegt wurde. Kein Weg führt an der Tatsache vorbei, dass Leder eine Säugetierhaut ist, eigentlich atmungsaktiv, ein Haut-an-Haut-Gefühl ermöglichend. Zugleich aber eben auch mit Narben und anderen strukturellen Veränderungen versehen: Ein Beweis dafür, dass ein Tier am Leben teilgenommen hat.

Wer könnte all das und vieles mehr überzeugender vortragen als Thomas Machalke, Eigentümer des Hauses TM Collections und Spezialist für edle, naturbelassene Leder? Ein Experte, den sein Thema nicht loslässt, immer wieder in der Welt unterwegs, um unterschiedlichste Gerbereien zu besuchen. „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“: Thomas Machalke lebt, was schon der heilige Augustinus wusste.

Als Gast der Möfa präsentierte er vor den Studierenden Leder ohne nachträglich gewalztes Hautbild, ohne Pigmentschichten, die das Produkt zur Dysfunktionalität hin verändern. Er erläuterte, dass es auch nach vielen Jahren des Gebrauchs nicht zu den allgemein bekannten porös-blättrigen Stellen an den Hauptbelastungszonen einer Couch kommen muss. Er bot insgesamt eine Fülle an Informationen für Bauch und Kopf, für Emotion und Verstand. Und er überließ der Schule das Polstermöbel „Pozallo“ zu weiteren Schulungszwecken. Seine Botschaften werden daher nachklingen: In warenkundlichen Schulungen ebenso wie in Verkaufstrainings, die – dem Vorbild Thomas Machalkes nacheifernd – gleichfalls alle Ebenen des Denkens und Fühlens potenzieller Kunden erreichen wollen.

Text: Dennis Palm, PR-Gruppe

Foto: Konrad Merlin, PR-Gruppe