Weckerklingeln um 3.30 Uhr
Was Berufsschüler früh aus dem Bett treibt

Wer den Fuchs fangen will, muss mit den Hühnern aufstehen. Emirhan Turgut, Auszubildender im Familienunternehmen „Küchen Brauckhoff“, weiß seit knapp einem Jahr sehr genau, was es mit diesem Sprichwort auf sich hat. „Als mein zukünftiger Chef mir im Bewerbungsgespräch sagte, dass ich die Fachberufsschule in Köln besuchen werde, habe ich im ersten Moment schon tief durchgeatmet“, verrät er seinen Mitschülern, „denn zwischen meiner Arbeitsstelle in Datteln und Köln liegen immerhin mehr als 100 Kilometer. Da war mir klar: Wenn ich mit dem Zug anreise, werde ich zweimal in der Woche wirklich sehr früh aufstehen müssen.“

Letztlich ließ sich Emirhan Turgut dann aber doch schnell überzeugen. Nicht nur, dass auch alle früheren Azubis des Familienunternehmens in gleicher Weise zu Frühaufstehern wurden. Entscheidend für seinen Arbeitgeber wie für ihn selbst war vor allem der Gesichtspunkt, dass der Lehrplan in Köln neben den kaufmännischen Inhalten von vornherein auch die Bedürfnisse der Einrichtungsbranche klar im Blick hat.

Um 3.30 Uhr reißt deshalb der Wecker Emirhan Turgut an zwei Tagen unsanft aus dem Nachtschlaf. Und selbst zur Sommerzeit dämmert noch nicht der Tag, wenn er nicht allzu viel später im Bus zum Bahnhof nach Recklinghausen sitzt. Beim Umsteigen um 6.09 Uhr in Essen trifft Emirhan Turgut bereits zwei weitere Schüler aus seiner Klasse. Man hört Musik, lernt noch für eine Klassenarbeit oder auch für die Fahrprüfung. Gemeinsam werden dann alle pünktlich vor acht Uhr an „ihrer“ Schule angekommen sein.

Wie wird man zur Lerche statt zur Nachteule? Oft ist es einfach die Begeisterung für die Sache. Vor einigen Jahren kauften die Eltern Emirhan Turguts eine neue Küche bei seinem späteren Arbeitgeber. „Ich war dabei“, erzählt der Berufsschüler, „ich hatte ohnehin die Absicht, eine kaufmännische Ausbildung zu absolvieren. Und dann habe ich beim Küchenkauf meiner Eltern dem Fachberater zugesehen, wie er das alles macht. Da bin ich neugierig geworden.“

Heute kommen bereits Bekannte ins Geschäft und erwarten speziell von ihm Hinweise zur Gestaltung ihrer neuen Küche. Natürlich kann dann noch nicht alles perfekt sein. Fachliches Wissen und verkaufsrhetorische Fähigkeiten erweitern sich Schritt für Schritt. Ebenso lässt sich ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen weiter schulen. Gefördert wird es im Fach „Küchenplanung“ an der Schule ebenso wie im beruflichen Alltag.

Was wird sein, wenn das berufliche Ziel schließlich im Jahr 2020 erreicht ist? Allzu präzise Antworten kann hier niemand erwarten. Zwei Jahre sind eine lange Zeit, wenn die eigene bisherige Lebensspanne noch nicht einmal das Zehnfache dieser Zeit umfasst. Doch eines weiß Emirhan Turgut schon jetzt: Er möchte bei seinem jetzigen Arbeitgeber bleiben. Und vielleicht kehrt er im nächsten Jahrzehnt als Kaufmann im Einzelhandel auch erneut zu seiner Schule zurück – im Rahmen einer weiteren einjährigen Fortbildung zum staatlich geprüften Küchenfachberater.

Text: Emirhan Turgut, PR-Gruppe
Foto: Emirhan Turgut